Jahresthema Mittelalter

Das ganze Kindergartenjahr beschäftigen wir uns schon mit dem Mittelalter. Für die Kinder und für uns war es zuerst einmal die Zeit der Ritter und der Burgfräulein. Über viele Geschichten haben wir aber einiges mehr über die Zeit erfahren und probierten eine ganze Menge aus. So haben wir uns in den Gruppen immer wieder damit beschäftigt, Dinge selbst herzustellen. Wir haben selber Brot gebacken, haben Teppiche gewebt, oder aus Gewebtem Taschen, Kissen oder sogar Kuscheltiere genäht. Wir haben erfahren, dass Dinge, wie fließend Wasser und eine Toilette oder ein eigenes Kinderzimmer nicht immer zum Leben dazu gehört haben, und wir staunten, dass es noch keine Autos oder Flugzeuge gab, sondern dass man weite Strecken zu Fuß gegangen ist.

In der Faschingszeit waren dann Ritter, Burgfräulein, Drachen und Turniere interessant. Wir lernten, dass man nicht einfach Ritter werden konnte, wenn man wollte, sondern, dass dafür z.B. wichtig war, aus welcher Familie man stammte, und dass man schon als Kind viele Dinge lernen und aushalten musste, bis man als Erwachsener dann den ersehnten Ritterschlag erhielt.

Auch die Musik des Mittelalters hörten wir uns an. Sie fand bei den Kindern großen Anklang und in den Gruppen liefen die Lieder rauf und runter. Die Kinder verkleideten sich dazu und erfanden Tänze, sie spielten Rollenspiele, während die Musik lief, und sie versuchten auch mit zu singen.

Der große Höhepunkt unseres Jahresthemas war dann das Mittelalterfest im Mai. Wir trafen uns mit den Kindern in einer Kinderkonferenz und stellten ihnen vier Projektgruppen vor:

  • Kochgruppe

  • Tanzgruppe

  • Theatergruppe

  • Musikgruppe

Die Kinder entschieden sich für die Teilnahme an einer Gruppe und dann trafen sie sich zweimal die Woche, um ihre Ideen für das Fest in die Tat umzusetzen. Die Kinder waren in den Gruppen sehr motiviert und gingen mit viel Elan an die Planung und ans Üben und Werken.

Gemeinsam lernten wir noch mittelalterliche Lieder für das Fest, wir fanden sogar ein paar Kinder, die es sich zutrauten ein Lied in althochdeutsch zu singen.

Dann war es endlich so weit, das Fest konnte beginnen. Kinder und Eltern in mittelalterlicher Gewandung bevölkerten unseren Garten, der Duft von frischem Hendl und Schweinshaxn erfüllte die Luft und Dudelsackmusik sorgte für die richtig Stimmung.

Zu Beginn des Festes sangen wir gemeinsam das „Marktlied“, das die Musikgruppe mit ihren selbst gebastelten Instrumenten begleitete.

Die Kochgruppe bot ihre Produkte an einem Marktstand an. Da gab es Gänseblümchen-Salbe, Holler-Sirup, Lavendel-Säckchen, Dinkel-Kissen u.v.m.

Nach dem Mittagessen trat die Tanzgruppe auf, aus der sich im Laufe der Proben ein paar Kinder als wahre Akrobaten hervor taten, was dann dem Auftritt eine besondere Note verlieh.

Danach gab es Spiele für Groß und Klein. Kinder und Eltern konnten sich im Seilziehen messen, testeten ihre Geschicklichkeit im Hufeisen-Werfen und rangen beim Sackhüpfen um den Sieg. Wer es ruhiger angehen wollte konnte es sich im Weidenzelt gemütlich machen und den Märchen, die dort erzählt wurden lauschen. Auch das Malen und Schreiben mit Gänsefedern weckte das Interesse der Kinder und Eltern.

Zum Abschluss spielte die Theatergruppe noch ihr Stück „Der Wolf und die 7 Geißlein“. Die Kinder hauchten ihren Rollen viel Leben ein und sprachen auch ganz souverän ihre Texte ins Mikrophon.

Mit dem „Nachtwächterlied“ ging dann das Mittelalterfest, das uns allen einen gemütlichen, ereignisreichen und einfach schönen Nachmittag bescherte, zuende.

Die Zeit bis zu den Sommerferien werden wir uns noch im Mittelalter vertreiben. Es gibt noch so manche Dinge, die uns da interessieren, z.B. der Bau der Kirchen und die Gestaltung ihrer Fenster, die Wirkung von Kräutern auf unsere Gesundheit, und und und...

Und dann ist da noch die anstehende Kindergartenübernachtung mit kleinen Überraschungen aus dem Mittelalter und der Besuch der Vorschulkinder auf Burg Tittmoning...wir haben also noch viel vor!

Das Thema Mittelalter hat uns wieder eine ganze Menge an Lerninhalten geboten. Zum einen war für die Kinder die Wissensvermittlung ganz wichtig. Aber auch das Ausleben der eigenen Phantasie stand ganz oben. Durch wiederholte Projektgruppen lernten die Kinder sich zu entscheiden und auch zu ihrer Entscheidung zu stehen. Sie konnten ihre Ideen einbringen und umsetzen und gewannen dadurch eine Menge Selbstvertrauen. Auch lernten die Kinder dabei viel über ihre eigenen Begabungen und fanden neue Interessen! Die Planung von einzelnen Vorhaben, sei es der gemeinsame Bau einer Burg im „Großentreff“ oder die Gestaltung eines Faschingsfestes, bot den Kindern viel Raum um sich im Diskutieren, Abwägen, Besprechen und Zuhören zu üben. Und der Stolz, dass etwas selbst Geplantes auch gelingt, steigert den Selbstwert enorm!

Kurz: Das Mittelalter erstreckte sich über alle Bereiche und selbst ein Waldspaziergang endete im Mittelalter, denn „da sind die Ritter mit den Pferden gewesen und da haben sie mit Pfeil und Bogen geschossen...“
(Quirin, 3 Jahre)